Test: Canon EF-S 15-85mm f/3.5-5.6 IS USM
Da liegt es nun vor mir, das EF-S 15-85mm, Canons neuestes Flaggschiff für APS-C Kameras und ich muss sagen, der erste Eindruck ist nicht schlecht. Da hat Canon rein äußerlich mit dem neuen, wertigen Objektivdesign sehr gute Arbeit geleistet. Aber mit Schönheit allein macht man keine guten Fotos und so kann ich es gar nicht erwarten, das Neue an die Kamera zu schrauben.
Mit einer Anfangsbrennweite von 15mm bietet Canon einen sehr beeindruckenden Weitwinkel an, der bislang bei Standardzoom-Objektiven einmalig ist. Zusammen mit der Telebrennweite von 85mm am langen Ende deckt das Objektiv einen Brennweitenbereich von 24- 136mm (Kleinbildentsprechung) ab, der im Normalbetrieb einen Objektivwechsel fast unnötig macht, bzw. auf wenige Ausnahmen beschränken wird.
Vignettierung
Oft wird bei diesem Objektiv in anderen Rezensionen auf die starke Vignettierung gerade im Weitwinkelbereich hingewiesen und photozone.de kürt das 15-85er gar zum Negativrekordhalter. Nüchtern betrachtet haben diese Stimmen schon Recht, wie folgende Bildreihe (v.l.n.r. f3.5, f4.0, f4.5, f5.0, f5.6) beweist:
Das sieht schon ziemlich heftig aus, doch wirklich praxisrelevant finde ich das nicht. Einerseits wird man gerade bei dem für Weitwinkel typischen Einsatzgebiet, der Landschaftsfotografie, eh abblenden und da ist ab Blende f5.6 kaum noch was von einer Randabschattung zu spüren und zum anderen läßt sich so etwas recht einfach mittel Digital Photo Pfofessional (DPP), – ein Programm, dass jeder Canon-Fotograf kostenfrei zu seiner Kamera erhält – per Objektivkorrektur beseitigen.
Dieses Foto entspricht dem oben links gezeigten Bild bei Offenblende. Allerdings wurde hier mit Lightroom und dem dort integrierten Korrekturprofil für das Canon 15-85mm eine Objektivkorrektur mit einem Klick vorgenommen.
Andere RAW-Programme verfügen zwar u.U. über keine speziellen Objektivkorrekturprofile, die Rücknahme eine Vignettierung beherrschen aber eigentlich alle.
Chromatische Aberration
Das ist ein Thema, bei dem Canon in der Vergangenheit für den Vorgänger des hier beschriebenen Objektives – das Canon EF-S 17-85mm IS USM – herbe Kritik hat einstecken müssen. Hier kann man Canon bescheinigen, dass die Konstrukteure ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht haben. Eventuell doch einmal auftretende CA’s lassen sich in der eh unvermeidlichen Bildentwicklung – ich arbeite ausschließlich im RAW-Format – über die Objektivkorrekturdaten automatisch beseitigen.
Verzeichnung
Bei einem Objektiv mit fast 6fachem Zoom, welches von starkem Weitwinkel bis in den Telebereich reicht, lassen sich Verzeichnungen naturgemäß nicht wirklich vermeiden. So reichen diese von einer leicht tonnenförmigen Verzerrung bei 15mm bis hin zu einer kissenförmigen Verzeichnung ab 24mm, welche zum langen Ende hin immer mehr abnimmt und bei 85mm so gut wie gar nicht mehr vorhanden ist. Ich habe das aber nun nicht an Hand von Testcharts selber überprüft, sondern beziehe mich da auf Testberichte im Internet. Wer die Verzeichnungen selbst in Augenschein nehmen will, findet gute Beispiele im Lens-Review von photozone.de. Fairerweise sei aber angemerkt, dass auch diese Objektivfehler von der schon oben genannten Objektivkorrekturfunktion in DPP oder Lightroom ausgeglichen werden.
Schärfe
An meiner EOS 7D hat sich das getestete Objektiv sehr gut in Sachen Schärfe geschlagen. Offenblendig sind die Fotos bereits scharf, wenngleich auch zum Rand weicher werdend. Aber schon ein leichtes Abblenden reicht aus, um ordentlich scharfe Fotos zu erhalten. Schauen wir dazu folgende Testfotos an:
Schärfe bei 15mm und Blende f3.5 (links) und leicht abgeblendet auf Blende f5.6 (rechts)
Schärfe bei 85mm und Blende f5.6 (links) und abgeblendet auf f8.0 (rechts)
Hier nun ein Praxistest bei 15mm, f8.0, ISO100 und 1/125s (links) und rechts ein 100% Crop
Nun ein Vergleich mit Blende f8.0 bei 15mm (links) und 85mm (rechts) – Fokussiert auf den Lichtpunkt
Auch das Bokeh weiss dank 7 Blendenlamellen und kreisrunder Blendenöffnung zu überzeugen, wenngleich es natürlich nicht mit lichtstarken Festbrennweiten konkurieren kann.
Auf Grund der gegenüber dem Vorgänger-Modell (17-85mm) mit nur 6 Blendenlamellen erhöhte Lamellenanzahl und der sich daraus ergebenden kreisrunden Blendenöffnung, weiss das Objektiv zudem auch bei Aufnahmen direkt in die Sonne mit einem herrlichen Sonnenstern zu überzeugen und stellt das 17-85er mit geradezu plump wirkenden 6 Sonnenstrahlen förmlich in den Schatten.
Autofokus
Im Canon 15-85mm werkelt ein Ultraschall-Ringmotor, welcher leise und flott seine Arbeit verrichtet. Angenehm dabei ist, dass bei dieser Art von Antrieb jederzeit manuell in den Fokussiervorgang eingegriffen werden kann. An meiner EOS 7D arbeitet das Objektiv absolut treffsicher und punktgenau, wie die beiden folgenden Aufnahmen zeigen. Hier habe ich aus einem Winkel von 45° direkt mit dem zentralen AF-Feld auf die 10cm-Marke fokussiert.
Fokussiert jeweils mit Offenblende bei 85mm (links) und als 100% Crop bei 15mm (rechts)
Fazit
Das Neue aus Canons EF-S Serie hat mich voll überzeugt und ich frage mich, warum ich es nicht gleich als Kit-Objektiv zu meiner Kamera dazu gekauft habe. ![]()
Die Abbildungsleistung ist für mich auf einem durchweg sehr guten Niveau und wer da noch mehr haben will, dem bleibt nur noch der Griff zu Canons L-Klasse. Dem trägt Canon auch mit der UVP Rechnung und hat gut 800,00 Euro ausgerufen. Zum Glück sind die UVP’s immer ein gutes Stück Wunschdenken der Hersteller und so hat sich der Straßenpreis mittlerweile auf realistische 600,00 Euro eingependelt. Leider liefert Canon trotz des hohen Preises keine Streulichtblende mit – die paar Cents für das Stückchen Plastik spart man sich dann doch und verweist auf sein Zubehörsortiment. Zum Glück bieten sich da aber reichlich preiswertere Alternativen.
Wer jetzt Lust auf das Objektiv bekommen hat, dem empfehle ich einen Kauf des Canon EF-S 15-85mm 1:3,5-5,6 IS USM Objektives bei Amazon. Die im Onlinehandel üblichen 14 Tage Widerrufsfrist und eine in diesem Fall problemlose Rückabwicklung bei Amazon lassen keinen Platz für böse Überraschungen.



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