Darfs ein bisschen mehr sein?

Mehr Megapixel sind gut für ein besseres Foto – stimmt das? Fakt ist, das alle neuen Digitalkameras mit immer mehr Megapixel daherkommen und so manch kleine Kompaktkamera mit ihren 12MP scheinbar eine DSLR mit deren “nur” 8 in den Schatten stellt, denn je größer die Auflösung, desto besser. Oder etwa doch nicht?


Leider ist es so einfach nicht. Die immer häufiger zu hörende Rede vom Pixelwahn bezieht ausschließlich auf Kompaktkameras, denn hier tritt ein Phänomen bereits deutlich zutage, dass mit steigender Pixelzahl die Qualität eher schlechter, denn besser wird. Werfen wir dazu zuerst einmal einen Blick auf die Größen der zur Zeit gängigen Sensoren im Bereich der digitalen Fotografie.

sensorgroessen Nr. Sensor-Format Abmessung
in Millimeter
Fläche
in mm²
optimale Anzahl
Pixel (gerundet)
*
1 Mittelformat 48,0 x 36,0 1728,00 192 Megapixel
2 Vollformat (Kleinbild) 36,0 x 24,0 864,00 96 Megapixel
3 APS-C 22,2 x 14,8 328,56 36 Megapixel
4 Four Third 17,3 x 13,0 224,90 25 Megapixel
5 2/3″ 8,8 x 6,6 58,08 6 Megapixel
6 1/2,5″ 5,8 x 4,3 24,94 3 Megapixel
* Die Berechnung beruht auf der als Mindestgröße geltenden Abmessung eines Pixel von 3 µm Kantenlänge.

Bei einer als qualitative Schmerzgrenze geltenden Pixelgröße von 3µm kann man davon ausgehen, dass die in Handys und Kompaktkameras verwendeten Sensoren kleinster Größer (Nr. 5 und 6) mit jeweils 3 bzw. 6 Megapixel diese Grenze erreicht haben. Da man aus Kosten- und Platzgründen keine größeren Sensoren verbauen kann, hat man einfach die Abmessung der Pixel verkleinert und damit auf gleicher Sensorfläche mehr davon untergebracht. In der Folge bekommen die einzelnen Pixel immer weniger Licht und das Bildrauschen nimmt spürbar zu. Dem kann freilich mittels interner Bildverarbeitung bereits in der Kamera begegnet werden, allerdings gehen dann nochmals Bildinformationen verloren und das Foto verliert an Brillianz und Schärfe.

1pixel 4pixel Diese Grafik verdeutlicht, dass ein Pixel keine feste Größe besitzt, sondern von der Fläche des Sensors abhängt. Eine Erhöhung der Pixelanzahl bei gleichbleibender Sensorgröße hat dann eine drastische Reduzierung der einfallenden Lichtmenge zur Folge (sehe Grafik).

Obwohl sich bei Kompakt- und Bridgekameras größer 6Megapixel aus rein physikalischer Sicht  die Bildqualität verschlechtert, kommt dies allerdings erst dann zum Tragen, wenn das Mehr an Pixeln für größere Abzüge verwendet werden soll (siehe Beitrag: Wie viel Pixel braucht ein Foto?).




aktion : 468x60

Bei Spiegelreflex- oder gar Mittelformatkameras, welche bauartbedingt einen wesentlich größeren Sensor besitzen, ist das Ende der Fahnenstange allerdings noch lange nicht erreicht. Größen von 25-96 Megapixel (s.o.) lassen einen weiten Spielraum für künftige Entwicklung im Bereich der digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR). Von “Pixelwahn” kann hier keine Rede sein und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein interessierter Käufer freiwillig auf die höhere Pixelanzahl und damit kreativen Spielraum – z.B. durch nachträgliche Auswahl bestimmter Bildausschnitte – verzichtet.
Bereits Einsteigermodelle liefern heute hervorragende Bildergebnisse, welche zudem noch durch einen sehr guten Dynamikumfang überzeugen können. Hier einige aktuelle Beispiele:

  • Canon EOS 40D – 10,1 MP – Dynamikumfang in Blendenstufen: 11,5 fstop (bei ISO200)
  • Canon EOS 1000D – 10,5 MP – Dynamikumfang in Blendenstufen: 10,9 fstop
  • Petax K20D – 14,7 MP – Dynamikumfang in Blendenstufen: 10,8 fstop
  • Nikon D700 – 12,1 MP – Dynamikumfang in Blendenstufen: 10,4 fstop
    (Meßwerte aus FotoHits, welche diese Kameras ausführlich getestet hat)

Weiterführende Informationen im Internet:

6mpixel.org

COMPUTERWISSEN:daily

Wikipedia



www.abo.chip.de
Nachtrag: Einen interessanten Ansatzpunkt verfolgt neuerdings Sigma, welche mit ihrer neuen Sigma DP1 eine Kompaktkamera mit einem DSLR-Sensor entwickelt haben. Die DP1 liefert eine sehr gute Bildqualität, beschränkt sich allerdings auf eine nicht wechselbare 28mm-Optik und liegt im Preis deutlich über vergleichbaren Modellen aus dem DSLR-Lager. Trotzdem ist es Schritt in die richtige Richtung. Einen Testbericht gibt es bei Chip online.
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