Fotografieren mit einer DSLR

Gemeinhin gilt eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) als das Werkzeug der Profis. Verständlich dass sich auch Hobbyfotografen gern eine solche Kamera zulegen, erschließen sich doch damit Möglichkeiten, die man mit einer Kompaktkamera nicht hat. Oft übersieht man aber im Eifer des ersten Gefechts, dass man seine bisherigen Kenntnisse im Umgang mit einer Kompaktkamera nicht einfach auf eine DSLR übertragen kann.

Das liegt daran, daß eine Kompaktkamera in erster Linie darauf getrimmt ist, fertige und gefällige Fotos zu liefern. Dazu werden automatisch alle relevanten Einstellungen vorgenommen. Nach der Aufnahme wird von der kamerainternen Software Kontrast, Farbsättigung und Schärfe entsprechend bearbeitet und fest ins Bild gespeichert. Diese Bilder kann man – ganz wie zu Zeiten des Fotografierens auf Film – direkt ins Labor zum Ausbelichten geben (oder selbst ausdrucken), ohne irgendwelche Nacharbeiten vornehmen zu müssen. Dies soll – zusammen mit den vorgegebenen Motivprogrammen – sicherstellen, daß auch der ungeübte Gelegenheitsknipser mit einer solchen Kamera saubere Fotos machen kann, ohne sich Gedanken über eine spätere Bearbeitung machen zu müssen.

Anders sieht das bei DSLRs aus. Hier wird man ohne die Kenntnis um die grundlegenden Zusammenhänge von Belichtungszeit, Lichtempfindlichkeit, Blende und Brennweite kaum zu einem befriedigenden Ergebnis kommen, egal ob man nun via Motivprogramm im JPEG-Format fotografiert, oder sich für die manuelle Entwicklung der Fotos und somit für das Rohdatenformat RAW entscheidet.


Im Folgenden möchte ich meine eigenen Erfahrungen im Umgang mit einer DSLR widergeben und in erster Linie Denkanstöße geben, sowie zum Nachmachen und Ausprobieren anregen. Ich erhebe dabei keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit und empfehle zur weiteren Lektüre den Kauf eines entsprechenden Fachbuches.

Belichtungszeiten:

Grundsätzlich gilt, je kürzer die Belichtungszeit, desto geringer ist die Gefahr das Bild zu verwackeln. Allerdings sollten bestimmte Zeiten nicht überschritten werden. Als Faustregel kann man hier einfach den Umkehrwert der verwendeten Brennweite benutzen. Dabei sollte man aber den Crop-Faktor der kleineren Bildsensoren der meisten DSLRs beachten. Dieser verlängert scheinbar die Brennweite im Vergleich zum Kleinbild-Vollformat und beträgt beispielsweise bei Canon 1,6 (Nikon 1,5 / Olympus 2,0). Die nachfolgenden Angaben erhalten sowohl die Angabe zum Kleinbildformat und in Klammern die Angabe mit Cropfaktor 1,6.

Brennweite 300mm = 1/300s (1/480s) Brennweite 55mm = 1/60s (1/90s)

Sind diese Zeiten nicht mehr zu erreichen, muß man den ISO-Wert (Lichtempfindlichkeit des Sensors) erhöhen. Dabei entspricht die Erhöhung um eine Stufe von ISO100 auf ISO200 jeweils einer Verdoppelung der Empfindlichkeit und damit Halbierung der Belichtungszeit. Wenn also bei ISO100 die Belichtungszeit 1/30s beträgt, ergeben sich folgende Werte:

ISO100 = 1/30s ISO200 = 1/60s ISO400 = 1/120s ISO800 = 1/240s

Da mit der Erhöhung des ISO-Wertes aber auch das Rauschen (ähnlich der Körnung bei Filmmaterial) ansteigt, sollte dem Einsatz eines Statives bzw. eines Blitzgerätes anstelle hohen ISO-Werten der Vorzug gegeben werden. Wenn aber beides nicht möglich ist, kann auch ISO1600 eine Alternative sein. Man hätte dann ja eh nur die Wahl zwischen einem verwackelten Foto, höherem Rauschen, oder gar keinem Bild und zumindest dem Rauschen kann man immer noch per Bildbearbeitung zu Leibe rücken. Dazu sollte man aber im RAW-Format fotografieren.

Tiefenschärfe, Blende und Brennweite:

Mit der Wahl der richtigen Belichtungszeit hat man schon mal die erste Einstellung getroffen, trotzdem sind die Fotos nicht richtig scharf. Das liegt daran, dass ein Objektiv prinzipiell nur in einem Punkt wirklich scharf abbildet. Allerdings sind unsere Augen keine optischen Präzisionsgeräte und so erscheint uns bei einem Betrachtungsabstand von rund 30cm alles scharf, was nicht größer als 1/10mm ist. Wenn man beispielsweise ein Objekt in 5m Entfernung anvisiert, wird genau diese Entfernung auf dem Sensor scharf abgebildet. Steigt die Entfernung zum anvisierten (fokussierten) Objekt, werden die Abbildungspunkte immer größer und erscheinen uns – sofern die Größe von 1/10mm überschritten wird – als unscharf (sogenannte Unschärfekreise). Dabei vergrößert sich der Schärfebereich (Tiefenschärfe), je kürzer die gewählte Brennweite des Objektives ist und je weiter das fokussierte Objekt von der Kamera entfernt ist. Das wird bei Landschaftsaufnahmen deutlich sichtbar, die hauptsächlich unter Verwendung von Weitwinkelobjektiven mit sehr kurzen Brennweiten von 17-28mm aufgenommen werden. Unscharfe Fotos sind hier bei korrekter Belichtung kaum anzutreffen. Demzufolge gilt aber auch, je näher ein Objekt an der Kamera liegt, desto kürzer wird die Tiefenschärfe. So beträgt diese bei Makrofotografie nur wenige Millimeter.

Hinweis: Da bei Kompaktkameras die Brennweite des Objektives bauartbedingt nur wenige Millimeter bis Zentimeter beträgt, beginnt die Tiefenschärfe oft sehr nah an der Kamera und erstreckt sich bis unendlich. Dies ist auch ein Grund, warum bei diesen Kameras unscharfe Fotos oft nur durch verwackeln entstehen.

Um die Tiefenschärfe entsprechend unseren Bedürfnissen auszuweiten, steht dem Fotografen das Abblenden zur Verfügung. Je weiter die Blende geschlossen wird (kleinere Blendenöffnung = größere Blendenzahl), umso größer wird die Tiefenschärfe. Bei manuellen Objektiven konnte man die Tiefenschärfe am Objektiv ablesen, bei Autofokus-Objektiven ist das so nicht mehr möglich. Deshalb dazu eine kleine Beispielrechnung um die Distanzen zu verdeutlichen:

Abstand zum Objekt = 2m
Tiefenschärfe bei Blende 2 1,9m – 2,2m
Tiefenschärfe bei Blende 8 1,4m – 4,0m
Tiefenschärfe bei Blende 22 1,0m – unendlich

Man kann dieses Wissen dann aber sehr gut für die Bildgestaltung nutzen und durch die Wahl der richtigen Blende Objekte vor einem unscharfen Hintergrund quasi freistellen. Leider muß man sich beim Abblenden die größere Tiefenschärfe durch längere Belichtungszeiten erkaufen. Schließlich bedeutet jedes verkleinern der Blendenöffnung eine Reduzierung der eintretenden Lichtmenge und somit eine Verlängerung der Belichtungszeit. An sonnigen Tagen stellt das kein Problem dar, bei trübem Wetter kann man aber schnell wieder an die Grenzen der optimalen Belichtungszeit stoßen. Eine Blendenreihe wäre 11,422,845,68 usw. wobei daneben auch Zwischenstufen vorhanden sein können. Mit jeder ganzen Blendenstufe wird die eintretende Lichtmenge halbiert und die Belichtungszeit verdoppelt sich.
Eine Beispielrechnung könnte wie folgt aussehen:

Blende 2 = 1/800s Blende   2,8 = 1/400s
Blende 4 = 1/200s Blende   5,6 = 1/100s
Blende 8 = 1/50s Blende 11,2 = 1/25s
Tipp: In dieser Beispielrechnung wäre bei Blende 8 die Belichtungszeit schon recht kurz, da z.B. bei Verwendung des Kit-Objektives 18-55mm eine Belichtungszeit von 1/60s bei Freihandaufnahmen nicht unterschritten werden sollten. Hier kann man durch Erhöhung der Lichtempfindlichkeit auf die nächste Stufe (z.B. von ISO100 auf ISO200) die Belichtungszeit bei Blende 8 wieder auf 1/100s verkürzen.

Wie man sieht ist es gar nicht so schwer, mit einer DSLR zu fotografieren, wenn man sich vorher mit den wichtigsten Regeln ein wenig vertraut macht. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass eine DSLR (wie eingangs schon erwähnt), recht moderat mit der Bearbeitung der Fotodaten umgeht. Somit ist ein gutes, knackiges Foto immer auch das Ergebnis einer guten Bildbearbeitung. Oft ist man dabei aber versucht, die Schärfe eines Fotos am Bildschirm bei 100%-Ansicht zu beurteilen. Da ein Monitor aber lediglich eine Auflösung von rund 1,5 Megapixel besitzt, kann man sich leicht ausrechnen wieviel Monitore man benötigen würde, um das Bild komplett in voller Größe darzustellen. Da wird der normale Arbeitsabstand zum Bildschirm als Betrachtungsabstand viel zu klein. Es kommt ja auch niemand auf den Gedanken, sich eine Plakatwand aus 1m Abstand zu betrachten, um dann festzustellen: Scharf ist das nicht. ;-)

Also lieber mal ein Bild als Fotoabzug belichten lassen (oder selber ausdrucken), dann wird man schnell sehen, dass ein vermeintlich unscharfes Bild gar nicht so unscharf ist.




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