Überbelichtung vs. Unterbelichtung

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Oft hört man den Ratschlag – um eine Überstrahlung zu vermeiden – lieber etwas unterzubelichten und später per EBV zu dunkle Stellen wieder aufzuhellen. Ob diese Aussage so stimmt, möchte ich anhand von Beispielen mal ein wenig unter die Lupe nehmen.

Bei JPEGs ist diese Aussage sicher richtig, denn hier wird das Foto bereits in der Kamera bearbeitet und in einem verlustbehafteten Format mit wesentlich weniger Bildinformation gespeichert (8bit = 256 Abstufungen pro Farbkanal). Beim RAW-Format sieht das mit derzeit bis zu 14bit (16384 Abstufungen pro Farbe) etwas anders aus. Hier stehen wesentlich mehr Informationen zur Verfügung. So hat schwarz (keine Farbe vorhanden) die geringste und weiß die größte Farbinformation (alle 3 Farben sind zu 100% vorhanden). Man erhält also bei einer Überbelichtung mehr Informationen in den hellen Bildbereichen und gerade in den vielen möglichen Abstufungen steckt jede Menge Potential zur erfolgreichen Belichtungskorrektur nach der Aufnahme. Dies nimmt allerdings ab, je dunkler die Farben werden, wie folgende zwei Testfotos verdeutlichen:

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Das Ausgangsbild ist deutlich überbelichtet, im Himmel ist kaum bzw. sehr wenig Zeichnung erkennbar. Durch geeignete Bearbeitung läßt sich verlustfrei die scheinbar fehlende Bildinformation hervor holen, ohne daß das Rauschen zunimmt (siehe Detailfoto rechts).

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Hier ist das Ausgangsfoto stark unterbelichtet. Zwar lassen sich auch hier durch entsprechende Entwicklung die zu dunklen Bildbereiche aufhellen und die im dunklen verborgenen Details zutage fördern, allerdings steigt durch den geringeren Informationsgehalt das Bildrauschen deutlich an (siehe rechtes Detailbild).




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Diese beiden Beispiele zeigen m.E. deutlich die größeren Rettungsmöglichkeiten bei überbelichteten Bildern gegenüber einem unterbelichteten Foto. Allerdings gibts auch hier Gegenbeispiele. So ist bei Fotos gegen die Sonne ist die Überstrahlung oft so groß, dass hier ein gezieltes Unterbelichten einfach notwendig ist.
Im folgenden Beispiel wurde beim Fotografieren um 1,6 Blendenstufen unterbelichtet und auf Blende 16 abgeblendet. Bei der anschließenden RAW-Entwicklung mit ACDSee Pro2 wurden über die Lichter-Wiederherstellung, die Gradationskurve und den Licht-Equalizer die Belichtung so korrigiert, dass alle Bereiche richtig belichtet sind.

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Ausgangsbild (RAW, -1,6 EV, Blende 16) Das fertige Bild mit ACDSee Pro 2 ausbelichtet.

Im RAW-Format steckt also jede Menge Potential, welches man auch als Hobby-Fotograf nicht ungenutzt lassen sollte. Im Zweifel fotografiert man eben gleichzeitig im RAW- und JPEG-Format. Damit spart man sich die aufwändige Entwicklung, hat aber im Notfall immer die RAW-Datei zur manuellen Nachbearbeitung zur Verfügung. Übrigens, einen umfangreichen Workshop über das Arbeiten mit dem RAW-Format gibts bei traumflieger.de.

Ein wenig experimentieren kann hier also nicht schaden. So lernt man besser einschätzen, wann man in welcher Situation richtig belichtet.

Meine Buchtipps zu den Grundlagen der (digitalen) Fotografie, wobei ich besonders die Fotobücher von Galileo Press empfehlen kann:


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    • Matze
    • 9. Juni 2010

    Hallo,
    Genau dieses Problem hatte ich auch bei meinen Bildern. Wenn ich bewusst unterbelichtet habe, kam es zu hohem Rauschen auch bei ISO 100. Und wie so oft liest man, das man die Bilder lieber unterbelichten soll statt überbelichten um ausgerissene Bereiche zu vermeiden. Deine Erklärung ist sehr aufschlussreich und hat mir sehr geholfen. Genauso hab ich mir das auch schon gedacht.
    Gruß Matze

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